Stamm Fasnacht 06: Ah, tschau China

Stamm Fasnacht 06: Ah, tschau China

           


Sujet:
Ah, tschau China
Vordraab: isch s Volgg
Requisit:
isch uf 2 Räder
Ladäärne:
isch no ghaim
Pfyffer:
sin Doongrieger
Hedi:
isch dr danzendi Lei
Drummler:
sin Doongriege

D‘ Chinese kömme, e gwaltigi Zahl an Mensche sinn uf dr Überholspuhr was wirtschaftlichi Entwicklig und Resourcebedarf abelangt. Aber im Bereich Menscherächt und Staatssyschtem blyybe sie witerhin im letschte Johrhundert. Die wachsendi Macht macht Angscht me seht sich ere Armee im Glychschritt gegenüber wo eim überrollt.. dorum kunnt d‘ Spale als warnig mit dr Terracottaarmee derhär.

  1. Hintergründ
  2. Bilder
  3. Zeedel
  4. Fasnachtsvideo
  5. Ruggblick über d Johundertschneefasnacht

Hintergründ

  • China het sich syt 1978 imene horrände Tempo zue emene hochmodärne Industriestaat entwicklet
  • Vieli Chinese gsehn dert inne d Ruggkehr vo China zer Wältmacht
  • Dä Sprung schafft China mit enere permanänte Eliteförderig
  • Fascht alli weschtliche Unternähme unterwärfe sich dr chinesische Verhandligsdoktrin „Technologie gäge Märtzuegang“
  • 900 Millione Landbewohner ich China sin bereit, fir jede Lohn z schaffe!
  • Dr Raubbau an dr Natur het gigantischi Usmass agnoh
  • Ohni e radikali Trendwändi wird in China dr totali Umwältkollaps nur e Froog vo dr Zyyt sy – mit uswirkige uf die ganzi Wält
  • Dr Rohstoffhunger vo de Chinese het d Pryyse fir Stahl, Rohöl, Gold und Getreide in d Höchi tryybe – und das wird no so wytergoh
  • Konflikt mit Japan und Amerika wäge de Rohstoffvorkomme in Südoscht- und Zentralasie sin vorprogrammiert
  • E Demokratisierigsprozäss isch nit z erwarte, well sich die kommunistischi Partei legitimiert indäm sie dr Wohlstand vo ganz e huffe Mensche duet mehre.

E riesigi Masse an Chinese kunnt uf ys zue! E Masse wo vor nyt halt macht und uns wird iberrumple… D Spale warnt scho jetzt…

Fasnachtsbilder

Zeedel 06: Ah, tschau China

D Ärden isch e Kugele.
Wurdsch durch die Kugele rugele,
käämsch – wyssewyy vo de Vogeese –
an Jangtsekiang bi de Chineese.
D Mensche gseen dert us wie Ditti;
zwor nennt me sich „Das Reich der Mitti“,
doch wird s im Weschte dureghächlet
als Schwelleland und „Land, wo lächlet“,
will dert – umgää vo Sojaboone –
Drache und Dämone woone
und in de griene Bambuswälder
zwische Ryys- und Sesamfälder
im Blettergstripp und uff de Wurzle
Pandabärli ummeburzle;
e Land, wo d Männer Ginseng kaue
zer Fraid vo ihre Haaremfraue;
won en Armee us Terrakotta
(entworfe haig si schyynts dr Botta)
scho dausig Joohr lang, Daag und Nacht
e doote General bewacht.

Wo d Mensche mit den Ochsenkaare
und in de Rikschas umefaare,
und wo dr Kauser in vyyl Kischte
Gold versteggt und Amethyste.
Dä Gottessohn isch zwor z beduure:
är darf nit uusen us de Muure.
Är joggt nit in dr Wieschti Gobi;
är liist kai BaZ, kei WoZ, kai Globi,
denn d Fremdkultur isch Unterklass
(bi uns nennt me das: Fremdehass).
Numme d China-Konkubyyne
derfe z Nacht zum Kaiser yyne.
D Mandarine und d Regänte
gniesse – suur-siess – d Pekingänte,
und s gweenlig Volgg im Outback hinde
kätscht am en e Stiggli Chinarinde.

Doch jetzt goot iber Mief und Muff
dr Stärn vom Leninismus uff.
Jetzt wird dr Klassehass entflammt,
Zinsfuess und Kapitaal verdammt,
und statt em Lao syni Lehre
und s Tao und s Yin-Yang z verehre,
studiert me jetzt s root Mao-Biechli
schrybt Mao-Sprich uff rooti Diechli
und brielt in jede Bambuswald:
„Genossen, s Paradies kunnt bald!“
Dr Marx wird aber nit vergässe:
„Wär nit schuftet, griegt nyt z frässe.“
Au jetzt isch China lyyt z regiere:
S Volgg muggst nit uf, duet brav pariere
und grampft – wie in ere Mär e Zwärg –
dief im Bärg im Kohlewärgg.
Zwor wärde d Schächt, will schlächt verkittet,
samt vyyle Kumpel gärn verschittet,
das aber macht em Mao nyt:
In China gits e Huffe Lyt;
fir s Kollektiv isch nyt verloore:
s wird iber Nacht Ersatz geboore,
denn allewyl sin d Fraue trächtig,
und s Volgg vermeert sich schnäll und prächtig.
Wär demonschtriert und proteschtiert,
wär s Bruuchtum, s alt, nit kritisiert,
wird uff em Friedensplatz nit glitte.
Zerscht griegt är zinftig Ranzeschnitte,
drno wird är an Pranger gschlosse,
denn gfolteret, am Änd verschosse.

Uff aimool kunnt s zum Gsinnigswnadel:
Dr Hu Jintao sait: „S bruuch Handel!“
S Kapital wird akzeptiert,
s wird an dr Börse spekuliert,
d Doktryyn haisst jetz: „Im Bsitz liggt s Hail,
Gäld isch guet und Gyzz isch gail.“
D Bonze feen aa Coupon glääbe
und kenne bald vom Zinsfuess lääbe.
Dr Mao-Krage duet me myyde,
me leggt Krawatten aa, us Syyde.
S verschwindet au die knallroot Stola,
me dringgt statt Schwarztee Coca-Cola,
d Planwirtschaft isch nyt mee wärt,
waas z China zellt, isch jetzt dr Märt.

Schnäll hänn d Chineesen au entdeggt,
dass im ene Kunschtwärgg Mehrwärt steggt:
E Fötus, lycht flambiert und gfliggt,
wird noo Bärn an s Kunschthuus gschiggt,
wo mänge Bsuecher sait: Das wett yy,
dasch scheener als vom Giacometti,
bsunders will die miede Lyyche
unsere Bundesreet dien glyyche.“

(Mir wette doo kai Name gää:
S isch au egal, kaasch jede nää.)
Will d Schwyzer gärn Devise raffe
und will d Chineese billig schaffe
und will me d Schwyzerleehn, die dyyre
samt AHV und Mehrwärtstyyre
im Schwyzerländli nimm wott zaale,
baut men in China Filiale.
Und explodiert au im enen Egge
Benzol, und d Fisch und d Lyyt verregge:
das bringt d Partey nit us dr Rueh,
me sait: „Dasch s Gschäft. Das gheert derzue.“
So duet im Oschte noo di noo
e Wältmacht neij und ryych entstoo.
Schwyzer, dien eych schnäll bekeere:
Feen sofort aa, Chinesisch lehre!

D Bärner sinn scho uff em Sprung:
„Schang gang hai, xung Ching wai Hung.“

Fasnachtsvideo

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Ruggblick vo dr johrhundert Schneefasnacht

Morgestraich

Shit! Gruusig, dä Schnee! Stygsch us em Taxi us und landisch grad mol in 40cm Pflutter inne. Drummle usebyyge, Larve mitnäh. S Kopfladäärnli funktioniert ohni Problem. Iber dr näggschti Schneebärg und in Richtig Käller 62. Schnee am Bode in Hülle und Fülle. De frogsch di, eb „unsere“ Bärg gruumt isch… Kunsch zem Bercher & Sternlicht und stellsch fescht, as d Stadtreinigung alles gäh het. Dr Spalebärg isch 95% schneefrey! Freude herrscht!

Also in Käller, ebbis go tringge. Es duftet nach Määlsubbe und dr eint oder ander gniesst scho s erschte Bier. Alli sin Giggerig, d Vorfreud isch riesig. No 80 Minute bis Basel wieder us de Fuege fliegt… Nomol e Käffeli, bitte!

Kunsch zem Käller us, es isch dunkel aber kenntsch meine es gäb ebbis gratis in dr Stadt. Basel uf de Sogge! In Richtig Lyss gheersch alpott d Gleggli vo de Ueli, d Stadt füllt sich. No vor enere Stund isch am Spalebärg tote Hose gsi, doch jetzt gohts rund. No 20 Minute. Yystoh… no 10 Minute… E Druggede. D Lampe wird azündet, d Larve aständig ufgsetzt. Morgestraich – vorwärts – Maaaaaarsch!

Sooo scheen! Abermillione vo Ladäärnli und Lämpli bewege sich durch d Gasse. Vergässe sin Kälti, Schnee und alli Sorge wo de hesch. Es goht in Richtig Casino. Es goht lang und dickflüssig, aber es goht. 04:50 Casino, e supergeili Stimmig!

Es lauft, es strömt, es ruesst, es pfyfft… No e rundi, Morgeässe, nomol e rundi… und denn kunnt au no d Sunne am Morge am 9i. Yystoh und nomol gohts wyter. Eifach nur Friede…

Cortège zem erschte

Die letschti Rundi ebbe uf die halber Elfi, denn schnäll heime und s Zugsgoschdyym go hole. Emol kurz unter d Duschi. E Kaffi. D Sunne isch no immer am schyyne, aber es ziehn scho wieder e paar Wülggli uf. Jä no, s Goschdyym syg jo wasserdicht. Vor em Rhyfälderhof hets scho divärsi Terra-Kotta Fasnächtler, numme d Lampe isch nonig do. E Bligg zrugg in Richtig Claraplatz zeigt aber, as Lampe und Lampions unterwägs sin. Gseht us wie uf dr Champs-Elysés – gaaaaanz hinde baumle 8 Lampions.

Denn yystoh und uf eimol pfyffts und ruessts in de Strosse. Es isch halber 2 und so langsam gohts richtig los. Dr Schnee isch furt und s Publikum irgendwie au. Es het lang nit sooo viel Lyyt wie in de letschte Joohre. Macht aber nyt, dr Zug setzt sich in Bewegig richtig Mäss Basel und denn zem Roma. Die erschti Pause und plups… s Palme-Velo keit uf d Sytte und d Palme sin teilwyys zersteert. Aber Ersatz isch unterwägs. Ähne am Rhy im Spalekäller hets no Kabelbinder. I glaub, die kemme per Helikopter oder so. Ämel rächt schnäll.

Wettstaibrugg. Kalt, lang, nass, windig. Aber isch glych, well obe am Picassoplatz gits scho wieder die ersehnti Pause. Denn am Comitée verbyy in Richtig Spalungge und e Nuschi-Bier yynezooge. Basel läbt. Basel bäbt. Do gsehsch wieder e Zug und dert kunnt wieder e Lampe hinter de Hyyser fyyre. Wär sait, as d Basler Fasnacht z wenig politisch syg, dä het eifach kei Ahnig. Batmans und Hiehner laufe durch d Strooss und Plastikstiehl in allne Farbe und Forme.

Nachtässe am Rhywäg bim Chines mit viel Biel, Lyys und Siess-suulem Poulet. Nit schlächt – aber fir 100 Spalemer glychzyttig z koche isch nit ganz eifach. Denn durchs Glaibasel. Durch dr Schnee. Zem Gligg isch do kei Route meh, das wär jo grusig gsi! Denn eimol zrugg zem Hotel B. Nomol e Rundi. Und nomol eini. Schnydergass isch Kult und s Hotel B blybt eifach s wohre Härz vo Basel. Eimol rund ums Bermuda-Dreieck und denn heime. Irgendwenn am friehne Zyschtig morge. E paar Stündli schloof. Me goht go schloofe. D Stadt schlooft in däre Zyyt aber nit. SO sell my Basel sy!

Zyschtig

Ufstoh kurz vor de siebni. Am Morge verstoht sich! Denn dusche, e Käffeli und ab uf dr Bus. Am 8i am Morge trifft me sich. Drummlend. D Stadt isch wie usgstorbe – es schafft niemerts und au die härtischte Hardcorefasnächtler sin deheim am schloofe. Uf dr Lyss ligge no immer 30cm Schnee und e einsame Bagger schuuflet wie wild das wysse Zygs ewäg. Dr Spalebärg isch total frey…

Die erschti Rundi ins Kaffi Bachmaa, dert gits früschi Schoggiweggli. De bisch ganz elaige in dr Stadt. Uf dr lingge Sytte kunnt ein im Aazug und mit Grawatte entgäge. Antifasnächtler! Näggschti Halt Hotel B, es git e Bier. Denn aber schnäll wieder uf d Gass. Aha! Nomol e Dambouregrubbe wo unterwägs isch! D Stadt bikunnt wieder Lääbe yyghuucht. Ganz langsam. Die wytere Statione lääse sich fir e Fasnächtler altbekannt: Mutz, Stadtkäller, Stadthof, Harmonie…

Am zwei denn träffe mit de Pfyffer. D Sunne kunnt use und dr Schnee foht a schmälze. Yystoh! Marschiere! Drummle & pfyffe! D Zyyt isch knabb, me will schliesslich kei Minute vertrödle oder gar verpasse. Me gässlet durch die scheenschte Gässli und kunnt sich no immer vor wie uf dr Pischte. Noodlebärg? Heubärg? Nit unpassierbar, aber sehr asträngend. Nomol e Bierli. Nomol e Rundi. Denn hets immer meh Gugge und me verzieht sich ins Glaibasel. Nachtässe im Volggshuus – trotz ebbe 400 Lyyt wo Hunger hän e super Ässe kenne gredänze. Fein!

Dusse wirds wieder kälter. Schysseglych! Fischerstuebe, Adler, Spalungge. Irgendwenn kurz vor em Mittwuch denn d Spalerundi – leider ohni schnälli Märsch. Aber trotzdäm zem gniesse! D Zyyt rast. Me stoht nomol yy. San Carlo. Post. Luuser. Sooo scheen!

Mittwuch

Wegger gheere verbotte! Hesch kum 7 Stund gschloofe und scho schällts wieder. Aber jetzt bisch wach und denn kunnts au nimm druf ah. Sofort s Goschdyym alegge und in d Stadt jette! Mittagässe im Mutz isch agseit. Fein! Nach em erschte Bierli schnäll emol iberegässle zem Theater. Ideali Strecki! Längt grad firs Basel Nord!

Bebbi und Stainlemer steen scho parat. Bebbi sin OK. Immerhin hän d Staine e scheeni Vordersytte vo dr Lampe… Yystoh. Räucherstääbli stingge scho wieder us allne Richtige. Schneerääge setzt yy. Grusig. Alles gläbbt! Pletzlig ischs halber zwei und dr Cortège foht so schnäll ah wie dr Morgestraich. S Liecht isch aber immerno ah… Stainebärg, Aeschevorstadt, Picassoplatz, Wettstaibrugg, Mässeplatz, Clarastrooss, Adler. Adler! Dr geilschti Halt wos git! Aber das Joohr ischs andersch. D Naarebaschi mache ein uf Marathon, d Seibi isch lyycht bedruggt ab em Rääge und mit Spermie will sich denn doch niemerts abgäh. Es goht wyter. Mit 50% vo de Pfyffer. Macht au nyt!

Zem Hotel B, nomol e Halt, denn Nachtässe. Isch au fein, aber me isch iberforderet. Lyycht… Es kunnt e Bangg. Dä hani am Mimösli scho 52 Mol gheert… sone Saich! D Pfyfferdaagwach zem yystoh. Abgwungge. Mit dr Regimäntsdochter abgloffe, denn die schnälle agseit und relativ bald wieder mit dr JG yygstande. Es macht im Rääge halt eifach nur halb so viel Spass! Denn bewege sich 280 Naase in Richtig Steine. E Bombastische Zug. Geil! Dasch nimm so poetisch. Aber au das isch Fasnacht! ZÄMME yystoh. Gotte- & Göttihalt. Es schifft no immer. Wieder yystoh und in Richtig Börse. D Freie bäbt wo d Spale kunnt. S Goschdym gläbt wo d Spale kunnt. Dr Petrus schifft, wo d Spale kunnt.

Irgendwenn e kurzes Intermezzo mit dr Fyyrweer. As die aber au jedes Joohr dert mien sy, wo d Spale au grad isch. Fyyre zer Spalungge. E Bierli. D Stimmig sinkt in Käller. Nit wells immerno schifft. Nei. D Fasnacht isch am stärbe. Me stirbt mit. Die letscht Energie wärde usegholt. No ebbe 3 Stund. E Todeskampf. Yystoh. Pause. Yystoh. Pause. Und denn, pletzlig ischs kurz vor de viere. Schnyydergass. Gifthyttli. E letschti Zuckig, jede git nomol alles. So viel Fasnächtler wie jetzt passe eigentlich garnit in d Schnyydergass. Jede will dert dure. E Druggede – eifach nur scheen. D Zyyt lauft wyter. Blybt eifach nit stoh. D Stadtreinigung isch scho parat. Zem Hotel B. Ändstraich. San Carlo. Verbyy! (Numme d Stainlemer mache dr Ändstraich am viertel ab).

Und Basel isch wieder eifach nur Basel. Keini Räppli. Keini Drummle. Kei Pfyffe… bis am 26. Hornig 2007…

Druckversion von „Basler Morgenstreich in Weiss“ auf webjournal.ch

Artikel vom 05.03.2006

Basel – Allgemeines

Basler Morgenstreich in Weiss

Seit 1963 fiel in Basel nie mehr so viel Schnee vom Himmel, und der erste «Morgeschtraich» seit dem 1. Morgenstreich von 1835 wird wohl als «Schneestampfer» in die Basler Fasnachtsgeschichte eingehen…

Von Jürg-Peter Lienhard

2005 war Schnee an der Basler Fasnacht nur als Skulptur zu sehen – 2006 jedoch dominiert Schnee das Geschehen in den Strassen. Foto: Renée S., Basel © 2006

Am Montag, 6. März 2006, beginnt um 4 Uhr in der Früh und exakt mit dem Glockenschlag, der Basler Morgenstreich – der Auftakt zur dreitägigen Basler Strassenfasnacht. Wohl im «Schneepflutter», wie die Basler sagen, denn von den zwischen 40 und 60 Zentimeter Schnee, die in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag zuvor fielen, wird vor allem Matsch die Pisten der Fasnächtler behindern und dem Publikum das Vergnügen vergällen.

So weit sich aktive Fasnächtler in Basel zurückerinnern mögen, hat es am «Morgeschtraich» noch nie Schnee in den enormen Mengen vom Sonntag, 5. März 2006, gegeben. Doch geschneit hat es an der Basler Fasnacht immer wieder. Peter Achten, China-Korrespondent des Schweizer Radio, erinnert sich an den «Gugge»-Dienstag des Jahres 1986, als es plötzlich mit dicken, fetten Flocken zu schneien begann und in ganz kurzer Zeit wohl über 30 Zentimeter Schnee auf die Fasnächtler fiel. Damals tönten dann die lautstarken «Guggen» und die Trommel- und Pfeifermusik, als ob man eine Wolldecke über die Cliquen gelegt hätte: Der Schnee dämpfte den Schall empfindlich…

Für diese Schnee-Fasnacht 2006 haben sich gemäss Fasnachts-Comité 508 Gruppierungen für den Cortège, wie in Basel der Umzug baslerisch-eigenwillig geheissen wird, angemeldet. Gemäss Comité bedeutet dies eine leichte Steigerung zum Vorjahr, wo «nur» 493 «Einheiten» unterwegs waren. Dadurch kann die Zahl der aktiv teilnehmenden Fasnächtler auf um die 20‘000 Nasen geschätzt werden – eine Zahl, die seit zehn Jahren trotz stets winzigen statistischen Fluktuationen stabil geblieben ist.

Auf diese Foto sind viele Basler stolz: Der prominenteste «Schwoob», der je die Basler Fasnacht besuchte, war Bertolt Brecht, hier im massgeschneiderten Arbeiter-Kostüm.

Demgegenüber stehen wohl um die 500‘000 Passive, also Zuschauer und Gäste von allen Regionen der Welt, die zumindest am «Morgeschtraich» dem fasnächtlichen Geschehen zuschauen. Eine bedenkliche Zahl nannte der Obmann des Fasnachts-Comités an der traditionellen Pressekonferenz, Felix Rudolf von Rohr, jedoch auch: Die Zahl der Jungen Garden und der Binggisse ist von 2284 im Jahr 1996 auf 1855 für die Fasnacht 2006 zurückgegangen. Eine Alarmmeldung für die Pflege des Nachwuchses, dem das Comité mit besonderen Massnahmen nun wieder auf die Beine helfen will. Nämlich mit der Intensivierung der ersten Trommel- oder Pfeiferstunde am Wochenende nach der Fasnacht auf dem Barfüsserplatz.

Extrem vielfältig sind die traditionell stets verklausuliert angekündigten Sujets der Gruppen, wie aus dem «Rädäbäng», dem offiziellen Fasnachts-Führer zu entnehmen ist und der dieses Jahr erstmals viel früher in den Verkauf an den Kiosken gelangte: Der Schwerpunkt liegt offenbar auf meist lokalen Themen – wodurch Auswärtige wohl noch weniger von der Basler Fasnacht verstehen werden, zumal die Basler Fasnacht ja eigentlich eine «interne» Angelegenheit der Stadt am Rheinknie ist. Allerdings gibt es gleichwohl einige Spitzenreiter der Sujets: So zum Beispiel die Zunahme von Verboten, Vorschriften, Normierungen, Bussen und Gebühren in der Stadt, die mit dem Gesetz der Verbannung von Plastik-Stühlen auf den innerstädtischen Strassen-Cafés ihren grotesken Höhepunkt erlebte.

Aber diese Sujet-Schwerpunkte sagen überhaupt nichts aus über die Qualität der Umsetzung aus. Es kann daher viele Überraschungen geben, und mit denen wird stets gerechnet – denn die Sujets sind eigentlich bis zur Fasnacht geheim, und ein oft noch so «harmlos» scheinendes entpuppt sich aufgrund phantasievoller Umsetzung und Kreativität als eigentlicher Renner. Auch die Verse der Wagen-Cliquen und der Schnitzelbangg-Sänger prägen den gesamten Eindruck des Jahrganges genau so stark, wie die Strassenfasnacht.

Wagen-Ausstellung im «Schärme»

Wer «Baseldytsch» zu lesen imstande ist, wird sich über die neu geordneten Ausstellungen der am Morgenstreich mitgeführten Laternen und den Sujet-Wagen des Cortèges der beiden Fasnachts-Nachmittagumzüge vom Montag und Mittwoch freuen. Die Laternenausstellung ist, wie schon seit ein paar Jahren, jeweils von Montag Abend bis Mittwoch Morgen auf dem Münsterplatz, wo sie eine nicht nur fasnächtliche atmosphärische Stimmung zu verbreiten vermag. Neu sind dieses Jahr die besser organisierten Verpflegungsstätten, zumal auf dem Kasernen-Areal, wo die Requisiten und Wagen ausgestellt sind und die Beiz nun im warmen Kasernengebäude untergebracht ist.

Wiederum kann man Schnitzelbängge in zahlreichen Gaststätten der Innenstadt und an der Peripherie hören und sehen – jeweils am Montag und am Mittwochabend. Die Präsentation der Comité-Schnitzelbänke ist an diesen Abenden wie immer im Theater, wo es aber – entgegen anderslautenden Gerüchten – immer noch Billette zu haben gibt.

Die Redaktion von webjournal.ch wünscht seinen Lesern und -innen eine schöne Stiefel-Fasnacht, wohl mit Schneeball- statt mit Räppli-Schlacht…